Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Sylvia Michel - «Das Evangelium ist eine wunderbare Sache» (1935 - 2025)

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Foto: ref-bremgarten-mutschellen.ch

Sylvia Michel setzte sich zeitlebens für die Gleichberechtigung ein - zumindest in den Reformierten Landeskirchen der Schweiz. Sie war die erste gewählte Pfarrerin «ohne einen Pfarrer an ihrer Seite». Sie wurde zur ersten Kirchenrätin der Reformierten Kirche Aargau gewählt. Und sie predigte politisch: Sie konnte und wollte Kirche und Politik nicht voneinander trennen.

Sylvia Michel wurde am 25. Dezember 1935 geboren.
Während über ihre ersten 30 Lebensjahre wenig bekannt ist, erlangte sie 1964 in der Schweiz schlagartig Bekanntheit: Das aargauische Ammerswil wählte sie zur ersten Pfarrerin ohne männlichen Vorgesetzten. In einem Interview sagte sie: «Ich habe nie ganz raus gefunden, was mir ein männlicher Kollege in meinem Pfarramt wesentlich hätte helfen können.»

Zehn Jahre später wurde sie als erste Frau in den Kirchenrat der Reformierten Kirche Aargau gewählt. Ihr ging es nicht um die Frauenemanzipation an sich, sondern sie wollte einfach Gleichberechtigung. Und die Kirche hatte für sie eine Vorbildfunktion, weil Gott den Menschen als Mann und Frau schuf, also ohne Wertung. Deshalb war es für sie auch nicht aussergewöhnlich, als sie von 1980 bis 1986 das Amt der Kirchenratspräsidentin bekleidete und damit die erste Frau in Europa überhaupt war, die eine Leitungsfunktion in einer Kirche ausübte.

Die Kirche soll Hoffnung vermitteln
In ihren Predigten wurde sie manchmal recht «politisch», denn sie war Pfarrerin UND Staatsbürgerin - das wollte sie nicht trennen: Dass Calvinisten in Südafrika sich als Menschen erster Klasse bezeichneten, während die schwarze Bevölkerung als Menschen zweiter Klasse galten, war für sie ein theologischer Skandal. Auch der Hinweis auf die Unterdrückung vieler Frauen im Kongo war für sie «unbiblisch» - nicht nur frauenfeindlich: Vor Gott sind alle Menschen gleich!

In ihrer theologischen Arbeit wehrte sie sich tapfer gegen die Untergangsstimmung mancher Landeskirchen. Sie hob die Verantwortung der Christen für die Hoffnung und Zukunft hervor.

Die Kirche sei im Augenblick zwar nicht sehr gefragt: «Aber die Kirche sollte sich einen Pfifferling darum kümmern und fröhlich singen, mit denen, die da sind und nicht über die jammern, die nicht da sind. Wir sollten mehr Freude haben. Und Initiative. Trotzdem. Die Kirche stirbt nicht. Vielleicht muss sie ja jetzt ein paar Generationen ein bisschen unten durch, aber das Evangelium stirbt nicht. Das ist eine wunderbare Sache.»

Nach ihrer Pensionierung wurde zu ihren Ehren der «Sylvia Michel Preis» 2007 ins Leben gerufen. Dieser wird in der Regel alle zwei Jahre - an Frauen, die mutig um Gleichberechtigung kämpfen - verliehen.

Am 24. Juni 2025 verstarb Sylvia Michel im Alter von 89 Jahren.

Pfr. Andreas Goerlich

 

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