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Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Friedrich Dürrenmatt: Christ - Protestant - Ein sehr merkwürdiger Protestant (1921-1990)
Als Pfarrerssohn entwickelte Dürrenmatt eine kritische Haltung der Institution Kirche gegenüber. Mit dem Glauben und theologischen Fragen hat er sich aber zeitlebens beschäftigt.
1921 kam Friedrich Dürrenmatt im Emmental zur Welt. Sein Vater war reformierter Pfarrer im Dorf. Rückblickend sagte Dürrenmatt über diese Zeit: «Man ist im Dorf schon als Pfarrerssohn isoliert (...)
Wenn der Pfarrerssohn einen Streich macht, ist das viel schlimmer, als wenn der Metzgerssohn einen Streich macht.». Als die Familie 1935 nach Bern zog, besuchte Friedrich dort das Gymnasium und erreichte die Matura mit einer knappen Note.
Obwohl Dürrenmatt eigentlich gern eine Ausbildung zum Kunstmaler gemacht hätte, begann er mit dem Studium der Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik. 1946 verliess er die Universität ohne einen Abschluss, weil er Schriftsteller werden wollte. Seine Dissertation über Sören Kierkegaard hat er nie fertig geschrieben. Im selben Jahr heiratete er Lotti Geissler.
Um die wachsende Familie zu unterhalten - die beiden hatten fünf Kinder - musste sich Dürrenmatt mit dem Schreiben von Hörspielen und Romanen über Wasser halten. Viele seiner Texte erschienen im «Beobachter» als Fortsetzungsserie.
Den internationalen Durchbruch schaffte Dürrenmatt mit dem Schauspiel «Der Besuch der alten Dame», das 1956 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde. Dies ermöglichte fortan seine finanzielle Unabhängigkeit. Mit der Familie wohnte er in einem Haus in Neuchâtel.
Dürrenmatts Haltung zur «Religion»
In seinen letzten Lebensjahren hatte sich Dürrenmatt provokativ als Atheisten bezeichnet, wobei er präzisieren konnte und sich gegen indoktrinierte Lehrmeinungen wehrte. Jeglichen Fundamentalismus lehnte er ab und stand für einen individuellen Glauben ein: «Jeder muss glauben oder nicht glauben dürfen, ohne Bevormundung.»
Intensiv auseinandergesetzt hat sich Dürrenmatt auch mit der Geschichte der Wiedertäufer, die im 16. Jahrhundert in Münster eine religiöse Diktatur erstellen wollten. Sein Theaterstück «Es steht geschrieben» aus dem Jahr 1947 nahm diese Thematik auf.
In seinem umfangreichen Werk spielt die Thematik um «Schuld und Verrat», «Macht und Verantwortung» oder «Gut und Böse» immer wieder eine Rolle.
Inspiriert von Karl Barth und Sören Kierkegaard fand Friedrich Dürrenmatt seinen eigenen Glauben. Er bezeichnete sich so: «Nun bin ich selber Christ, genauer Protestant, noch genauer, ein sehr merkwürdiger Protestant.»
Pfrn. Barbara von Arburg
