Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Ernst Sieber - Wirken und Wirkung eines Visionärs und Chrampfers

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Foto: www.swsieber.ch

Ernst Sieber (1927 - 2018) prägte als reformierter Pfarrer, Sozialpionier und Gründer der heutigen Stiftung Sozialwerk Pfarrer Sieber (SWS) die Schweizer Obdachlosen- und Suchthilfe nachhaltig.

Nach seiner Ausbildung zum Landwirt machte er auf dem zweiten Bildungsweg die Matura, studierte Theologie an der Universität Zürich und wurde 1956 zum reformierten Pfarrer ordiniert. Bereits als junger Mann begegnete er Obdachlosen und erkannte darin seine Lebensaufgabe.

National bekannt wurde Sieber im Winter 1963/64, als er am Zürcher Helvetiaplatz einen Bunker mit 80 Schlafplätzen für vom Erfrierungstod bedrohte Menschen eröffnete. Der Bunker entwickelte sich zu einer Gemeinschaft, die sich als Familie verstand. 1975 zog diese in den «Suneboge» an der Gerechtigkeitsgasse um.

Von 1967 bis 1992 wirkte Sieber als Pfarrer in Zürich-Altstetten. Dort baute er seine diakonische Arbeit systematisch aus. Angesichts der offenen Drogenszene in Zürich suchte er nicht nur Lösungen für die Folgen der Sucht, sondern für deren Ursachen. Er war überzeugt, dass fehlende Geborgenheit, Einsamkeit und zerbrochene Beziehungen Menschen in die Abhängigkeit treiben.

Aus dieser Überzeugung entstanden zahlreiche Einrichtungen für Obdachlose und Suchtkranke, darunter verschiedene «Dörfli»-Projekte. Das Dorf galt ihm als Sinnbild gelebter Gemeinschaft. Als EVP-Nationalrat (1991-1995) setzte er sich sogar für ein nationales «Bundesdörfli» ein. Obwohl dieses Vorhaben politisch Unterstützung fand, scheiterte es an lokalen Widerständen.

Trotz Rückschlägen, finanzieller Krisen und persönlicher Enttäuschungen entstanden weitere bedeutende Angebote wie Anlaufstellen, Notunterkünfte und Wohnangebote für Obdachlose, Suchtkranke und andere Randständige. Ab 2004 zog sich Sieber auf Wunsch von Geldgebern aus der operativen Führung seiner Stiftung zurück, blieb aber bis zu seinem Tod seelsorgerlich aktiv.

Auch nach seinem Ableben wirkt sein Erbe weiter. Die Stiftung entwickelte neue Angebote für obdachlose Erwachsene, für Jugendliche und für Frauen, meisterte die Herausforderungen der Covid-Pandemie und eröffnete weitere Hilfsprojekte. Ernst Siebers Einsatz für Randständige, sein Vertrauen in die Menschen und seine christlich geprägte Vision von Gemeinschaft prägen die Stiftung bis heute.

Walter von Arburg

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