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Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Zwischen Pietismus und Naturfrömmigkeit - Heinrich Pestalozzi
Kaum ein Mann hat der europäischen Pädagogik so viel mit auf den Weg gegeben wie der Zürcher Johann Heinrich Pestalozzi. Dass er für seinen Ansatz „reformierten Pietismus“ mit „Rousseauscher Naturfrömmigkeit“ mischte, bereitete ihm selbst keinerlei Mühe.
Heinrich Pestalozzi erhielt in seiner Kindheit eine recht strenge religiöse Erziehung, insbesondre da sein Grossvater und Familienoberhaupt Pfarrer in Höngg war.
Pestalozzi begleitete seinen Grossvater viel bei Besuchen auf dem Bauernhof, was in ihm nachhaltigen Eindruck hinterliess. Er erinnerte sich später: «Er wollte erreichen, dass alle Kinder eine angemessene Bildung erhalten, unabhängig davon, ob sie reich oder arm, Jungen oder Mädchen waren.» So wurde der reformierte Pfarrer ihm religiöses wie pädagogisches Vorbild zugleich. Pestalozzi wollte zuerst auch Theologie studieren.
Diesen Plan gab er auf, als er das «Unser-Vater» vorbeten musste und mehrfach nicht weiterkam, weil er so lachen musste…
Religiöser Spagat
Später heiratete er eine religiöse Frau; beide lebten mit einer religiösen Tiefe. Allerdings erlitt er 1785 eine Lebenskrise, die seine religiösen Gefühle fast erkalten liessen. Erst als er Direktor der Waisenanstalt in Stans wurde, erwachten in ihm wieder starke Jesusgefühle, die sich bis an sein Lebensende auf mystische Weise hinzogen.
Der Erziehungsroman «Emil» von Jean Jacques Rosseau wirkte wie eine Erleuchtung für ihn. Daraus lernte er: «Der Mensch ist von Natur aus gut, spürt über die Natur das Göttliche» und versucht «gut zu bleiben».
Das sind Grundsätze, die bis heute in jedem PestalozziKinderdorf zur Erfahrung werden.
Als die Leibeigenschaft 1798 in der Schweiz aufgehoben wurde, entschied sich Pestalozzi, religiöser Erzieher zu werden. Er schrieb Lehrpläne für Schulen nach dem Hauptgrundsatz: Bildung geschieht durch «Kopf, Herz und Hand». Bis heute berufen sich viele Lehrpläne auf Heinrich Pestalozzi und tragen so sein Erbe weiter.
Pfarrer Andreas Goerlich
