Karl Barth auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost
Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Theologie des Widerspruchs - Karl Barth
«Wir sollen als Theologen von Gott reden. Wir sind aber Menschen und können als solche nicht von Gott reden» - das ist eines der bekanntesten Zitate Karl Barths aus seiner «Dialektischen Theologie». Wer war dieser Safenwiler Pfarrer, der trotz hochkomplizierter Gedankengänge zu den grössten deutschsprachigen Theologen des 20. Jahrhunderts zählt?
Karl Barth - 1886 in Basel geboren - war einer der Vorreiter der Dialektischen Theologie, der sich einerseits verbat zu meinen, Gott könne man alleine mit logischen Gründen erklären und finden - andererseits glaubte er, dass Gott sich uns immer wieder offenbare und wir deshalb doch von Gott sprechen müssten. Das war seine Theologie des Widerspruchs.
Obwohl er gerne theologisch komplizierte Sachverhalte mit Freuden ansprach, liess er sich bewusst 1911 in das Arbeiterund Bauerndorf Safenwil im Aargau wählen und trat auch der Sozialdemokratischen Partei bei, um den Weg der christlichen sozialen Gerechtigkeit auch praktisch verfolgen zu können. Die kleine Gemeinde bot ihm natürlich auch die Gelegenheit, Bücher und Aufsätze schreiben zu können oder eine bekannte Zeitschrift mit herauszugeben («Christliche Welt»).
Gegen allzu menschliche Machtgelüste
Ansonsten war Karl Barth in seiner Theologie eigentlich immer einer Linie treu «alleine Gott die Ehre» - nicht Gefühle, nicht Diktatoren, nicht Verführer. Schon im Ersten Weltkrieg wehrte er sich vehement gegen diejenigen, die religiöse Gründe für einen Kriegsanfang sammeln wollten. Auch im Zweiten Weltkrieg verweigerte er seinen Eid auf Adolf Hitler, weshalb er seine Professur in Bonn aufgeben musste und nach Basel zurückkehrte und dort bis 1962 Professor blieb.
Selbst beim Bekenntnis der «Bekennenden Kirche» in Deutschland war er massgeblich beteiligt und stellte klar, dass christlicher Glaube unvereinbar sei mit allzu menschlichen Machtgelüsten.
Allzu menschliches Privatleben
Dass auch er kein Heiliger und Unfehlbarer war, zeigte sich in seinem Privatleben, in dem er Jahrzehnte lang eine Dreiecksbeziehung pflegte (er, seine Frau und seine Sekretärin, die auch seine Geliebte war). Er hat dies nie zu rechtfertigen gesucht, aber auch nie bedauert.
1968 starb der emeritierte Professor in Basel und hinterliess mit seinem «Römerbriefkommentar» ein Buch, das bis heute zu ausgiebigen Diskussionen Anlass bietet. Denn mit seinem Römerbrief-Verständnis hat Barth sich gewehrt gegen eine «pietistische Innerlichkeit und Herzensfrömmigkeit, die in der Welt die Fünfe gerade sein lässt» und sich vor jeglicher Kritik an sozialer Ungerechtigkeit zurückhält.
Pfarrer Andreas Goerlich
