Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Jean Piaget

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Quelle: wikipedia

Jean Piaget zählt bis heute zu den «Urvätern» der Entwicklungspsychologie und hat in den Entwicklungsprozess auch die religiöse Ebene miteinbezogen. Daher nahmen ihn nicht alle Psychologen ernst. Wie kam es dazu?

Jean Piaget kam am 9. August 1896 in Neuenburg als Sohn eines «Professors für mittelalterliche Literatur» zur Welt. Hatte er im Vater einen eher unreligiösen Menschen als Gegenüber, der aber wenigstens die protestantische Arbeitsethik schätzte (Pflicht zu arbeiten, Treue und Fleiss in der Arbeit), so vermittelte ihm seine Mutter eine tiefe Religiosität. Mit ihr hatte er besonders während der Konfirmandenzeit grosse Auseinandersetzungen über die Widersprüche zwischen der Weltentstehung in der Wissenschaft und der Schöpfung, wie sie die Bibel berichtet.

Aber offenbar hatte die Mutter gute und liebevolle Argumente. Denn der spätere Professor für Psychologie, Soziologie und Philosophie hat in seine Untersuchungen über die Entwicklung von Kindern immer auch ihre religiöse Entwicklung miteinbezogen. Das geschah systematisch, seitdem ein Primarschulkind auf ein Blatt geschrieben hatte «Wer bist Du, Gott?» Piaget leitete daraus ab, dass die Glaubensfragen Teil der Lebensfragen seien.

Psychologie des Beobachtens
Grundlegend für Piagets Forschung war seine Beobachtungsgabe: Er liess Kinder unterschiedlichen Alters miteinander Murmeln spielen und stellte dabei fest, dass sie aufeinander Rücksicht nahmen und neben sachlichen Spielregeln auch immer moralische Fragen mitbedachten (ist dies fair? Kann der Jüngere das verstehen?).

Auch wenn die spätere Wissenschaft das «Beobachten» als unseriös oder unwissenschaftlich abwertete, gilt Piagets «Entwicklungspsychologie» bis heute als richtungsweisend ebenso wie seine Untersuchungen zur «moralischen Entwicklung». Denn der kalifornische Forscher James William Fowler hat Piagets Entwicklungsstufen als Vorbild genommen, um eine Glaubensentwicklung im Kindesalter nachzuzeichnen («stages of faith»).

Jean Piaget hatte zu seiner Blütezeit an der Genfer Universität bis zu 60 Assistenten. Er durfte an der Pariser Universität Sorbonne dozieren. Und er erhielt 30 Ehrendoktorwürden. Gestorben ist er in Genf am 16. September 1980.

Pfarrer Andreas Goerlich

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