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Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Henry Dunant
Der Gründer des Internationalen Roten Kreuzes galt nicht nur als Visionär und Phantast mit einem harten Kopf. Sein Wirken war auch geprägt von der calvinistischen Frömmigkeit seines Elternhauses.
Henry Dunant war gerade 31 Jahre alt geworden, als er im Jahre 1859 in die Nähe von Solferino reiste.
Er wollte sich mit einem Anliegen an Napoleon III. wenden. Eigentlich ging es ihm um Land- und Wasserrechte in Algerien, wo er mit einer Kolonialgesellschaft Geschäfte machen wollte. Als die Behörden nicht vorwärts machten, beschloss Dunant, sich direkt an Napoleon zu wenden. Allerdings traf er dort nach einer der blutigsten Schlachten des 19. Jahrhunderts auf die zahlreichen Verwundeten und Sterbenden auf dem Schlachtfeld und war derart erschüttert von dem, was er zu sehen bekam, dass er spontan die notwendigste Versorgung der Soldaten organisierte.
Unter diesem Eindruck kehrte Dunant wieder nach Genf in seine Heimatstadt zurück und widmete sich fortan seiner Idee, wie künftig das Leid der Soldaten verringert werden könnte. Ein Engagement, das schliesslich in die Gründung des Roten Kreuzes mündete.
Sowohl die Erinnerungen an Solferino, die er in einem Buch festgehalten hatte, als auch der Hintergrund eines frommen Elternhauses haben sein Engagement geprägt.
So begleitete er schon früh seine Mutter, als diese in den Armenvierteln Genfs notleidende Familien besuchte und unterstützte. Als Jugendlicher ging er jeweils am Sonntag in die Gefängnisse Genfs, wo er den Häftlingen aus der Bibel vorlas.
Zu dieser Zeit traf er sich auch mit zwei Freunden regelmässig zum Lesen in der Bibel. 1852 gehörte er zu den Gründern des «Christlichen Vereins Junger Männer» von Genf.
Viel Herzblut und Energie steckte Henry Dunant in seine Idee, einer Organisation, die im Kriegsfall den Verwundeten beistehen soll. Zentral dabei sollte die Neutralität sein. Helferinnen und Sanitäter sollten unparteiisch und geschützt allen helfen können: eine Forderung, die heute noch die Einsätze des Roten Kreuzes ausmacht.
Nachdem 1864 mit der «Genfer Konvention» das Komitee des Roten Kreuzes gegründet war, begann für Dunant jedoch der Abstieg. In Schulden verstrickt und in Streitigkeiten verwickelt, zog er sich immer mehr zurück und fand in Heiden eine neue Heimat. Dort verstarb er 1910.
Pfarrerin Barbara von Arburg
