Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Die illegale Pfarrerin: Greti Caprez (1906 – 1994)

Greti-Caprez.jpg

Quelle: wikipedia

Greti Caprez war nicht nur eine emanzipierte Frau, die ihre Kinder lehrte, sich in der Welt zurecht zu finden - sie war auch eine starke Frau, die meist erreichte, was sie wollte. Als erste Frau in Europa wurde sie 1931 zur Pfarrerin gewählt.

1906 erblickte Margareth Caprez im bündnerischen St. Antönien das Licht der Welt. Ihr Vater war Pfarrer und begeisterte seine Tochter früh für das Theologiestudium. Als sie das Studium nicht beendete und ihr Vater vergeblich darum kämpfte, dass die Bündner Synode auch Frauen zum Pfarramt zuliessen, wanderte Greti Caprez nach Brasilien aus.

Dort stand für sie 1930 die Familiengründung auf dem Plan: «Mein Plan wäre folgender: Anfang Mai Zeugung, Anfang Oktober Reise, Ende Oktober Examen.» Ein halbes Jahr später kehrte sie schwanger in die Schweiz zurück, denn ihr wurde erlaubt, in Zürich das Studium zu beenden.

Furna wählt die erste Pfarrerin
1931 wählte das Prättigauer Dorf Furna Greti zur ersten Pfarrerin in Europa überhaupt - gegen geltendes Kirchenrecht. Nach offiziellem Protest des Kirchenrats schrieb die Gemeinde - sich auf kantonales Recht berufend - gelassen: «Wenn unser Pfarrer keinen anderen Fehler hat, als dass er einen Rock trägt, behalten wir ihn».

Als dann der Kirchenrat der Gemeinde das Geld versagte, musste Greti Caprez doch die Stelle aufgeben. Ihr Mann studierte Theologie und zusammen mit ihm konnte sie in Chur und danach in Kilchberg ZH «gemeinsam» eine Pfarrstelle annehmen (sie erhielt allerdings nur einen «Haushälterinnenlohn»).

Mit der Einführung des Frauenstimmrechts 1963 wurde Greti Caprez in Zürich ordiniert. Kurz vor ihrer Pensionierung übernahm sie nochmals für zwei Jahre «offiziell» die Pfarrstelle in Furna und liess sich danach in Chur nieder, wo sie 1994 verstarb. Vielen Mädchen im Prättigau wird sie in Erinnerung bleiben als eine Frau, die für Mädchen Skihosen nähte, damit sie nicht frieren mussten - obwohl Hosen für Mädchen damals verboten waren.

Pfarrer Andreas Goerlich

Kontakt

Kirchgemeinde Neftenbach
Kirchweg 1
8413 Neftenbach
Tel052 315 14 43
E-Mailsekretariat@kirche-neftenbach.ch

Informationen