Bild: Kantonsbibliothek Appenzell
Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Gottfried Keller
Gottfried Keller war ein begabter Schriftsteller, eine Zeit lang Staatsschreiber des Kantons Zürich, aber auch ein begeisterter Maler. Sein Vater war zwar reformiert, kritisierte aber öffentlich den Religionsunterricht der Landeskirche. Das hat auch den Sohn geprägt.

Als Gottfried Keller 1819 in Zürich zur Welt kam, war sein Vater - ein Drechslermeister - bildungsmässig sehr engagiert und hoffte, der Sohn würde dereinst in seine Fussstapfen treten.
Ein massiv einschneidendes Erlebnis für den jungen Gottfried war es aber, als sein Vater starb; er war gerade fünf Jahre alt. Damals sah er sich plötzlich als entwurzelt, trotz des Fleisses seiner Mutter mit materieller Not konfrontiert und erlebte das nachfolgende Nichtversetzwerden in der Schule als «Enthauptung und lebendiges Begrabensein».
Von der Malerei zur Schriftstellerei
Schliesslich erreichte er dann doch einen Abschluss und erhielt die Möglichkeit, Landschaftsmalerei zu studieren. Davon konnte er aber nicht leben. Danach machte er sich als Dichter einen gewissen Namen. 1844 und 1845 beteiligte er sich an den Freischärlerzügen nach Luzern gegen die Katholiken.
Vom Kanton Zürich erhielt er 1948 ein Stipendium, um Geschichtswissenschaft und Politik zu vertiefen.
Von 1861 - 1876 hatte er das Amt des ersten Staatsschreibers des Kantons Zürich inne.
Schaffung eines gewichtigen Bettagsmandats
In dieser Funktion schuf er ein Gefäss, in dem religiöse Toleranz und das Miteinander gefördert wurde, ohne innerlich ganz dabei zu sein...
Während er selbst den kirchlichen Feiern fern blieb, wünschte er, wie üblich, der Staatskirche zum Bettag gut besuchte Gottesdienste, fügte dann jedoch hinzu: «Möge aber auch der nicht kirchlich gesinnte Bürger im Gebrauch seiner Gewissensfreiheit nicht in unruhiger Zerstreuung diesen Tag durchleben, sondern in stiller Sammlung dem Vaterlande seine Achtung beweisen».
Nach seiner Amtszeit als Staatssekretär lebte er von seiner Schriftstellerei. Zusammen mit seiner Schwester lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 1890 in Zürich Hottingen.
Pfarrer Andreas Goerlich