Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Die «Flüchtlingsmutter» Gertrud Kurz (1890 - 1972)

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Quelle: wikipedia

Sie gehört zu den zehn Persönlichkeiten, denen eine Station auf dem Appenzeller Friedensweg gewidmet ist, weil sie sich selbstlos und mutig für Menschen in grosser Not eingesetzt haben.

Gertrud Kurz kam am 15. März 1890 als Gertrud Hohl im appenzellischen Lutzenberg zur Welt. Sie war die Tochter eines Textilfabrikanten und wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Das religiös motivierte soziale Engagement ihrer Eltern hatte sie bestimmt geprägt. Schon die Mutter betätigte sich in wohltätigen Frauenorganisationen.
Die wohlhabenden Eltern schickten ihre Tochter an eine Handelsschule nach Neuenburg, wo sie ihren künftigen Ehemann Albert Kurz kennenlernte.
Als dieser 1912 eine Stelle als Gymnasiallehrer in Bern antrat, heirateten die beiden und zogen in die Bundeshauptstadt.
In ihrem Haus in Bern stand die Tür stets offen für Menschen von der Strasse. So fanden ehemalige Gefängnisinsassen, Landstreicher oder Bedürftige bei der Familie Kurz Unterstützung. Schon damals war es für Gertrud klar, dass sie sich um Menschen in Not zu kümmern hatte.

Nach dem 1. Weltkrieg entstand in Frankreich die «KreuzritterBewegung», eine Organisation, die sich für Frieden und Freundschaft zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten einsetzte. Die Basis war der gemeinsame christliche Glaube.
Fasziniert von dieser Bewegung reiste Gertrud Kurz 1931 an eine Tagung der Kreuzritter und begann anschliessend in der Schweiz eine Sektion aufzubauen.

Während des 2. Weltkriegs setzte sich Kurz für die vielen Flüchtlinge ein, die täglich an der Schweizer Grenze ankamen. Die privat organisierte Hilfe galt denjenigen, für die sich kein  anderes Hilfswerk zuständig fühlte. Gertrud Kurz erzählte später: «Wir waren für diejenigen da, die niemand wollte.»
Als 1942 der Bundesrat eine härtere Flüchtlingspolitik anordnete, versuchte Gertrud Kurz, den damaligen Bundesrat Eduard von Steiger in einem persönlichen Gespräch dazu zu bringen, die Massnahmen rückgängig zu machen. Dies gelang aber nur für eine kurze Zeit, da der Druck des Volkes, die Grenzen geschlossen zu halten, gross war. Im Rückblick kritisiert sich Kurz selber: «Man hätte sich mehr dagegen wehren sollen.»

Nach dem Krieg organisierte Gertrud Kurz Hilfe: zuerst für die Kriegsversehrten und später auch für weitere Geflüchtete in den Zeiten des Kalten Krieges, in Vietnam oder Algerien. Ihre Organisation «die Kreuzritter» änderte den Namen 1947 in «Christlicher Friedensdienst». Seit 2023 nennt sich diese Organisation «Frieda - die feministische Friedensorganisation» und setzt sich weiterhin für Menschenwürde, Frieden und gegen Gewalt ein.

Für ihren unermüdlichen Einsatz erhielt Gertrud Kurz 1956 das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes und zwei Jahre später wurde ihr als erster Frau der theologische Ehrendoktor der Uni Zürich verliehen.

Pfarrerin Barbara von Arburg

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