Reformierte Persönlichkeiten der Schweiz: Flüchtlingspfarrer Paul Vogt (1900 - 1984)

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Foto: enroute.ch

«Lasst nie in Elend und in Pein, ein Menschenherz lieblos allein. Niemals am Leid vorübersehn! Nie müssig stehn! Zum Dienste gehn!»
Getreu nach seinen eigenen Worten hat der reformierte Pfarrer Paul Vogt auch gelebt und sich Zeit seines Lebens für Menschen in Not eingesetzt.


Paul Vogt kam 1900 als Pfarrerssohn in Stäfa zur Welt und wuchs in einem pietistisch geprägten Elternhaus auf. So entschied er sich selbst ebenfalls zum Theologiestudium und trat seine erste Pfarrstelle in der Trinkerheilanstalt in Ellikon (heute Forel-Klinik) an. Zeitlebens blieb er dem Ideal des Blauen Kreuzes treu und trank keinen Alkohol.

Seine zweite Pfarrstelle führte ihn 1929 nach Walzenhausen, wo er dem nebligen Klima des Zürcher Thurtals entfliehen konnte. Die 1920er und 30er Jahre waren geprägt von Arbeitslosigkeit, Armut und Alkoholismus, ausgelöst durch die Textilkrise. Viele Heimarbeiterinnen verloren ihre Arbeit oder wurden sehr schlecht bezahlt.

Um dieser Perspektivlosigkeit entgegen zu wirken, kaufte Paul Vogt 1933 ein leerstehendes «Stickerheimetli» in Walzenhausen, in dem ein Evangelisches Sozialheim entstehen sollte. Hier, im «Sonneblick», sollten Arbeitslose die Möglichkeit erhalten, eine Berufsausbildung zu machen.

Als Paul Vogt 1936 in die Kirchgemeinde nach Zürich-Seebach berufen wurde, blieb er weiterhin mit dem «Sonneblick» verbunden. In dieser Zeit verfolgte er bereits die politische Entwicklung in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde der «Sonneblick» umfunktioniert zum Flüchtlingsheim und Vogt kümmerte sich fortan um die Flüchtlinge. Für sie organisierte er Reisepässe, ermöglichte Ausreisen in sichere Länder und war seelsorgerisch tätig.

Als 1943 das schweizerische Flüchtlingspfarramt geschaffen wurde, lag es auf der Hand, dass dies eine Stelle für den Flüchtlingspfarrer war. Zwei Initiativen hat er in dieser Zeit ergriffen: Die «Freiplatzaktion», der Aufruf an Private, Flüchtlinge in ihren Häusern aufzunehmen und den «Flüchtlingsbatzen», eine Sammlung, damit der Aufenthalt der Flüchtlinge finanziert werden konnte.

Paul Vogt lebte als wacher Zeitgeist, der den biblischen Aufruf «Seid Täter des Wortes» ernst genommen hat. Er hat sich immer wieder neu gefragt, was er tun und wie er sich in den Dienst nehmen lassen könne. Er galt aber auch als zuweilen schwierig, eigensinnig, fordernd und autoritär. Selbst aus den kirchlichen Reihen musste er für sein politisches Engagement Kritik einstecken. Immerhin wurde ihm 1947 das Ehrendoktorat der Theologischen Fakultät in Zürich verliehen.
Seine letzten Berufsjahre verbrachte Vogt wieder als Gemeindepfarrer in Grabs und Degersheim. Mit 84 Jahren verstarb er in Zizers.

Pfrn. Barbara von Arburg

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